DITTRICH & SCHLECHTRIEM

Dorian Gaudin

Berliner Luft

4 May 2020 – 9 May 2020

English German

Berliner Luft, Dorian Gaudin

Our second installment of Berliner Luft, on view from Monday, May 4, through Saturday, May 9, features new works that Dorian Gaudin created in New York for presentation at Art Cologne. With the fair postponed, we now have the opportunity to install them here in Berlin for exclusive view. Gaudin’s practice examines nature in contemplating simultaneously its beauty and violence, a concept suitable to the disruption and reset we are collectively experiencing at this time.

In I am home and I am unhinged jaws (2020), Gaudin physically wrestles and manipulates raw sheets of aluminum into crumpled, imperfect forms. Portions of the surfaces are finished in roughly polished chrome and a bold matte red paint; the works hang as evidence of sincere human actions and mechanical collisions. The reflections and folds distort space and compound light, resulting in a stimulating abstraction. They appear wrecked and bloody, but also luminous and seductive. Gaudin prompts the viewer to shift between the notions of the materiality of minimalism, gestures of abstraction, and empathy of anthropomorphous objects.

Also installed for the first time in Berlin is I follow the party (2018), a kinetic sculpture composed of a piece of tiger marble, gears, belts, and automated appendages. The machine is activated a single time. Red powder pigment is placed in the arm of the object, which, when triggered, jolts up, shooting a cloud of pigment into the air. Residue of red pigment rests on the wall and floor of the gallery as a record of the previous unseen action. Having dispersed all the pigment on the first jolt, the automated object lamely repeats this action but with no further results. As with much of Gaudin’s art, the setup is mechanical, punctuated by drama, tragedy, and comedy. As the curator and writer Kate Sutton has argued, his “works inevitably seem human, implying a choreography of actions that is not altogether under control.” (“Incomparable Theatre: The Splendid Ambiguity of Dorian Gaudin’s Machines,” in Dorian Gaudin: Rites and Aftermath, Paris: Palais de Tokyo, April 2017)

Berliner Luft, Dorian Gaudin

Von Montag, 4.5. bis Sonntag, 9.5. präsentieren wir in der zweiten Schau in der Reihe Berliner Luft neue Arbeiten von Dorian Gaudin, die in New York entstanden und ursprünglich für die Art Cologne bestimmt waren. Da die Messe verschoben wurde, ergreifen wir die Gelegenheit, sie hier in Berlin exklusiv für unsere Besucher zu zeigen. Gaudins Kunst nimmt die Natur in ihrer Schönheit, aber auch ihrer Gewalt in den Blick und erweist so ihre Aktualität in einer Zeit, in der die Unterbrechung unseres gewohnten Lebens Grundannahmen in Frage stellt.

Für I am home und I am unhinged jaws (2020) hat Gaudin unbehandelte Aluminiumplatten mit roher Kraft und Kunstfertigkeit zu zerknautschten und unvollendeten Formen gestaltet. Die Oberflächen sind teilweise mit grob poliertem Chrom und matter Farbe in einem starken Rotton beschichtet; die Arbeiten erscheinen vor uns als Zeugen aufrichtigen menschlichen Bemühens und mechanischer Kollisionen. Die Spiegelungen und Faltungen verzerren den Raum und erzeugen ein faszinierend vielschichtiges abstraktes Lichtspiel. Die Arbeiten wirken zutiefst beschädigt, ja blutbeschmiert, zugleich geht ein verführerisches Leuchten von ihnen aus. Gaudin zwingt den Betrachter, zwischen minimalistischen Vorstellungen von Materialität, Gesten der Abstraktion und der Einfühlung in anthropomorphe Objekte zu jonglieren.

Ebenfalls zum ersten Mal in Berlin zu sehen ist I follow the party (2018), eine kinetische Skulptur aus einem Stück Marmor, Zahnrädern, Riemen und mechanischen Gliedmaßen. Sie wird ein einziges Mal aktiviert. Dafür wird rotes Pigmentpulver auf den Arm des Objekts aufgebracht, der bei Auslösung hochschnellt und eine Pigmentwolke in die Luft schießt. Rötliche Spuren auf Wand und Fußboden der Galerie verweisen noch auf das für das Publikum unsichtbare Geschehen. Nachdem das automatisierte Objekt beim ersten Stoß sämtliches Pigment verstreut hat, wiederholt es die Handlung jetzt stupide, ohne damit noch etwas zu bewirken. Wie oft in Gaudins Kunst generiert eine mechanische Versuchsanordnung ihre eigene Dramatik mit tragischen wie komischen Momenten. Wie die Kuratorin und Autorin Kate Sutton bemerkt, „haben seine Werke etwas zwingend Menschliches und wirken in einem Handlungsablauf gefangen, der nicht ganz unter Kontrolle ist.“ („Incomparable Theatre: The Splendid Ambiguity of Dorian Gaudin’s Machines“, in Dorian Gaudin: Rites and Aftermath, Paris: Palais de Tokyo, April 2017)

DITTRICH & SCHLECHTRIEM introduce a new programming series called Berliner Luft, which highlights a different artist each week with a special presentation of art installed in the viewing room of our gallery space at Linienstraße 23 in Berlin-Mitte. The rotating presentations are announced on the gallery’s social media every Sunday evening, and are open for view Monday – Saturday, 11 AM – 6 PM.

Berliner Luft not only reactivates the gallery physically, it also reactivates our relationships with and responsibilities towards art, our artists, and especially the local community in Berlin. This program was developed for you, as we all develop in this new time.

DITTRICH & SCHLECHTRIEM stellt eine neue Ausstellungsreihe mit dem Titel Berliner Luft vor, in der jede Woche eine/n andere/n Künstler/in mit einer Einzelpräsentation im Schauraum der Galerie in der Linienstraße 23 in Berlin-Mitte in den Mittelpunkt rückt. Die Wechselausstellungen werden jeweils am Sonntagabend über die Social-Media-Kanäle der Galerie angekündigt und sind von Montag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Berliner Luft belebt nicht nur die Galerie als physischen Raum neu; mit ihr bekräftigen wir auch unsere Verantwortung für Kunst und für unsere Künstler und vor allem unsere Beziehung zu Ihnen, unseren Berliner Kunstfreunden. In einer Zeit, in der wir alle nach neuen Wegen suchen, ist diese Reihe ganz Ihnen gewidmet.

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