DITTRICH & SCHLECHTRIEM

Andrej Dúbravský

Berliner Luft

2 Jun 2020 – 6 Jun 2020

English German

Berliner Luft, Andrej Dúbravský

The gallery is pleased to present Andrej Dúbravský for the 6th installment of our weekly series, Berliner Luft, on view Tuesday, 02 June until Saturday, 06 June. Through figuration, landscapes, and occasional abstraction, Dúbravský’s paintings articulate his reflections in empathetic yet unsparing studies of the environment and its devastation, of man and nature. For Berliner Luft, the artist will present, for the first time in Berlin, a seminal series of works on paper titled Chem Farmers (2016), accompanied by an installation of ceramic works from his series Vases (2015).

The period from 2015–2016 marks the year Dúbravský relocated his home and studio to the Slovakian countryside, in the village of Rastislavice, and established his farm and garden. His passion for developing and maintaining this land required active engagement with the local phenomena as well as the farming community. While incredibly inspiring, this period marks a shift in Dúbravský’s work, as his disillusion with the ideals of nature settles in, and the apparent tensions of man and nature rise.

Chem Farmers (2016) depicts youthful gap-toothed farmers, classically cropped portraits, from torso up, with gaze out and straw hats encircling their heads. Drawn in ink on handmade papers, the figures grin and gaze in a yellow-brown aura saturated with pesticides, iron sulfate, and sausage grease. Cigarette butts, beer caps, tea bags, and seeds are then collaged into the sticky smears. The littered surfaces, and intoxicated subjects, allude to this break with the romantic ideals of agriculture, as poisonous chemicals and intoxicants are frequently used and consumed. Despite their corruption, the portraits remain dreamy, sexy, almost saintly. The Chem Farmers series aims to sustain utopian ideals under even dystopian conditions.

This combination of crudeness and delicacy is recognized in a series of three sculptural ceramic vases, placed on the pedestal and floor adjacent to the drawings. Roughly formed faces, mouths open wide, and adorned with small horns are the base for elongated vessels containing flowers. Tragic, romantic, almost Art Nouveau, their dripped glazes are “not without affinity to post-coital liquids” (Sir Norman Rosenthal, On the Work of Andrej Dúbravský, 2015).

+ Dúbravský is currently producing a monthly zine titled ANDREJ, which manifests the artist’s position as a gay man living between the rural countryside of Slovakia and New York City. ANDREJ is a reaction to the current economic, environmental, and pandemic crisis, highlighting exceptional circumstances through original texts on farming, gardening, cooking, sex, creativity, art-making, global uncertainty, and self-doubt. ANDREJ is available to order through the gallery’s online store and artist’s Instagram, while copies last!

Berliner Luft, Andrej Dúbravský

Die Galerie freut sich, in Folge 6 unserer wöchentlichen Reihe Berliner Luft vom Dienstag, 2. Juni bis Samstag, 6. Juni Andrej Dúbravský vorzustellen. Der Künstler bringt seine Gedanken mittels Figuren-, Landschafts- und gelegentlich auch abstrakter Malerei in einfühlsamen, aber ungeschönten Studien der Umwelt und der Verheerungen zum Ausdruck, die Natur wie Mensch erleiden. In Berliner Luft zeigt der Künstler eine für sein Werk grundlegende Serie mit dem Titel Chem Farmers (2016), die noch nie in Berlin zu sehen war, sowie eine Installation von Keramikarbeiten aus seiner Reihe Vases (2015).

In den Jahren 2015 und 2016 verlegte Dúbravský seinen Wohnsitz und sein Atelier in das Dorf Rastislavice im slowakischen Hinterland, wo er sich einen Bauernhof mit Garten aufbaute. Die Leidenschaft, mit der er sich der Landwirtschaft widmete, zwang ihn zu einer Auseinandersetzung mit seinem neuen Umfeld und der örtlichen Bevölkerung. Es war eine Zeit, die ihn unglaublich inspirierte, aber auch einen Wandel in seiner Kunst herbeiführte, in der sich die Entzauberung einer zuvor idealisierten Natur und wachsende Spannungen zwischen Mensch und Natur spiegeln.

Chem Farmers (2016) zeigt junge Bauernburschen mit Zahnlücken in klassischen Porträts: Oberkörper, Kopf und Strohhut, der Blick ins Leere gerichtet. Die mit Tusche auf handgeschöpftem Papier gezeichneten Figuren grinsen dem Betrachter aus einer gelblich-braunen Aura aus Pestiziden, Eisensulfat und Wurstfett entgegen. Zigarettenstummel, Kronkorken, Teebeutel und Samen sind auf die klebrigen Flecken collagiert. Die vermüllten Oberflächen und weggetretenen Figuren verweisen auf den harten Bruch mit romantischen Vorstellungen von Landwirtschaft, wo toxische Chemikalien und Rauschgifte in großen Mengen eingesetzt und konsumiert werden. Trotz dieser Verdorbenheit haben die Porträts etwas Traumhaftes, sind sexy, beinahe wie Heiligenbilder. Die Chem Farmers halten auch unter dystopischen Bedingungen an utopischen Idealen fest.

Dieselbe Verbindung von Derbheit und Empfindsamkeit ist in einer Serie von drei skulpturalen Keramikvasen zu erkennen, die neben den Zeichnungen auf einem Sockel und dem Boden stehen. Grob geformte Gesichter mit weitoffenen Mündern und kleinen Hörnern tragen langgezogene Gefäße, in denen Blumen stehen. Werke von tragisch-romantischer Qualität mit einem Hauch von Jugendstil, deren Glasuren mit ihren Tropfnasen „durchaus an Körperflüssigkeiten nach dem Verkehr denken lassen“ (Sir Norman Rosenthal, On the Work of Andrej Dúbravský, 2015).

+ Dúbravský produziert derzeit im Monatsrhythmus ein Zine mit dem Titel ANDREJ über sein Leben als Künstler und schwuler Mann zwischen der ländlichen Slowakei und New York City. Entstanden als Antwort auf die derzeitige wirtschaftliche und ökologische Krise und die Pandemie, wirft ANDREJ mit Originalbeiträgen über Landwirtschaft, Gartenbau, Kochen, Sex, Kreativität, Kunstmachen, globale Unsicherheit und Selbstzweifel ein Schlaglicht auf seine ungewöhnlichen Lebensumstände. ANDREJ erscheint in begrenzter Auflage und ist über den Onlineshop der Galerie und die Instagramseite des Künstlers zu beziehen. Sichern Sie sich jetzt ihr Exemplar!

DITTRICH & SCHLECHTRIEM continues our programming series called Berliner Luft, which highlights a different artist each week with a special presentation of art installed in the viewing room of our gallery space at Linienstraße 23 in Berlin-Mitte. The rotating presentations are announced on the gallery’s social media every Sunday evening, and are open for view Monday – Saturday, 11 AM – 6 PM.

Berliner Luft not only reactivates the gallery physically, it also reactivates our relationships with and responsibilities towards art, our artists, and especially the local community in Berlin. This program was developed for you, as we all develop in this new time.

DITTRICH & SCHLECHTRIEM führt die neue Ausstellungsreihe mit dem Titel Berliner Luft weiter, in der jede Woche eine/n andere/n Künstler/in mit einer Einzelpräsentation im Schauraum der Galerie in der Linienstraße 23 in Berlin-Mitte in den Mittelpunkt rückt. Die Wechselausstellungen werden jeweils am Sonntagabend über die Social-Media-Kanäle der Galerie angekündigt und sind von Montag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Berliner Luft belebt nicht nur die Galerie als physischen Raum neu; mit ihr bekräftigen wir auch unsere Verantwortung für Kunst und für unsere Künstler und vor allem unsere Beziehung zu Ihnen, unseren Berliner Kunstfreunden. In einer Zeit, in der wir alle nach neuen Wegen suchen, ist diese Reihe ganz Ihnen gewidmet.

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